Getriebe wegen einer leichten Leckage neu abdichten...

Nach dem abstellen in der Garage hatte ich immer zwei leichte Oelpfützen unter dem Capri, das nervte mich so sehr das ich nun, nachdem meine Garage endlich fertig war, mich entschlossen habe, das Getriebe neu abzudichten. Da ich keine Bühne oder Grube habe, sondern nur die Möglichkeit habe den Capri aufzubocken, dachte ich eine Zeit lang, das ginge auch im liegen unter dem Capri...
Den Plan habe ich ganz schnell wieder verworfen, wie soll ich denn mit dem Getriebe auf der Brust jemals wieder unter dem Capri rauskommen, das ist ja ohne allem schon ein Problem.

Motorausbau

Ich entschloss mich dazu, zuerst den Motor auszubauen, immerhin waren eh schon alle Anbauteile im Motorraum zum winterlichen putzen demontiert. Das Hosenrohr sollte eine Breitbandsonde, und der Turbolader neue Farbe bekommen. Außerdem kam auch etwas Oel hinter dem Schwungrad und aus der Kurbelwellenriemenscheibe raus, jetzt soll eine fabrikneue Riemenscheibe rein, damit Schluss mit tropfen ist...

Der Laden wo ich vor zwei Jahren meine Riemenscheibe zum pulvern hatte, hat nämlich die Dichtfläche mit vollgejaucht, habe versucht mit Schmirgelleinen den Schaden zu beheben, hat aber nicht ganz geklappt.

Eingangswelle

Nachdem ich den Motor raus hatte, habe ich erst mal die Getriebeglocke demontiert, jetzt ist das Getriebe schon ein ganzes Stück leichter. So konnte ich das Getriebe sogar liegend unter dem Capri abbauen... Vorher noch den Schalthebel demontiert, und den Anschluss für das Tachoritzel demontiert.

Zum Vorschein kam die Ursache für die Leckage. Nein, nicht das Eingangswellenlager, sondern die Korkdichtung hinter der Eingangswellenhülse war nicht eingeklebt, so konnte sich das Getriebeoel an der Korkdichtung und Papierdichtung vorbei, den Weg auf den Garagenboden suchen.

Das das Getriebeoel aus dem Eingangswellenlager raus kommt ist so weit noch in Ordnung, es ist ja offen, also ohne Dichtung. Das das Oel durch die Korkdichtung läuft ist allerdings nicht in Ordnung...

Nachdem das Getriebe nun ausgebaut war, habe ich erst mal den Deckel geöffnet, und das Oel abgelassen. Die Abgelassene Getriebeoelmenge war genau 1,1 Liter, wo war der Rest hin, (Garagenboden u. Straße)?Anschließend habe ich begonnen die Getriebeverlängerung mit dem Schaltgestänge auszubauen, und vorab schon mal einen doppelten Satz originale Wellendichtringe bei Ford bestellt, für die Motorkurbelwelle beidseitig gleich mit!

Als nächstes untersuchte ich wo das Achsialspiel des Eingangswellenlagers herkam, es kam wie es kommen musste...

Der Haltering vom Synchronring, der dort die drei Führungssteine an Ort und Stelle hält, schaute plötzlich raus. Für mich war sofort klar, den bekomme ich ohne das Getriebe zu zerlegen nie wieder rein, und das wo ich da niemals selber beigehen wollte! Aber in Reparatur geben kam für mich einfach nicht in Frage, zumal wirklich alle Teile im Getriebe wie neuwertig aussahen, es ging also nur darum den Halteting wieder reinzubekommen, und die Leckagen abzudichten.

Haltefeder guckt raus
Synchronriegel in der Synchronkupplung
Synchronriegel in der Synchronkupplung fehlt

Zuerst musste ich, nachdem das Getriebeoel raus war, den ersten Hohlstift der Schaltgabel mit einem 4mm Durchschlag austreiben, und den Abschlussdeckel am Ende der Getriebeverlängerung von innen nach außen rausdrücken. Das geht mit einem stumpfen Gegenstand recht einfach, ohne den Deckel zu zerbeulen.
Damit der Hohlstift nicht aus versehen bis auf den Getriebeboden fallen kann habe ich einen Putzlappen unter die Schaltwelle gelegt. Wenn man das Getriebe so wie ich zerlegen muss, kann man den Hohlstift auch später vom Magneten der am Boden sitzt, wieder entnehmen.

Schaltgabel

Hier ist der erste Hohlsplint schon entfernt, die Schaltgabel lässt sich nun nach hinten aus der Öffnung herausziehen

Anschließend noch den nächsten
Hohlsplint austreiben, auch wieder mit dem 4mm Durchschlag.

Hohlsplint Schaltgestänge

Nun kann man die Getriebeverlängerung demontieren, dazu löst man die 6 Schrauben SW17 die die Getriebeverlängerung mit der Aluminiumzwischenplatte und dem Getriebegehäuse verbindet.

Getriebehals abgenommen demontiert

Und so sieht es dahinter aus, ganz unten die Vorgelegewelle, darüber in der Mitte die Hauptwelle, und oben die Schaltwelle.

Die Schaltwelle kann nun entfernt werden, dabei ist es wichtig das man sich die Reihenfolge der Teile merkt. Als erstes kommt einem die Schaltgabel 3. u. 4, Gang entgegen, dann der Schaltstifthalter mit Sperrplatte. Danach die nächste Schaltgabel für 1. u. 2. Gang. Und zum Schluss noch die außenliegende Schaltgabel für den 5. Gang. Die Schalthülse mit dem Mitnehmerstift kann auf der Welle verbleiben.

Vielzahnmutter

Jetzt erst mal die Sicherungsmutter entfernen, dazu benötigt man eine große Knarre mit 36èr Vielzahn-Nuss, besser noch eine extra lange Nuss, weil man mit der normalen Nuss nicht bis ganz auf die Mutter kommt. Die eingedrückte Nase in der Mutter lässt sich mit einem Schraubendreher und Hammer etwas nach außen schlagen, damit sich die Mutter lösen lässt.

Sicherungsring Synchronkupplung 5. Gang
Getriebe arretieren zum lösen der Sicherungsmutter

Damit sich die Sicherungsmutter lösen lässt, muss das Getriebe arretiert werden. Dazu drückt man die Synchronkupplungsnaben für 1 u. 2. Gang, und den für den 3. u. 4. Gang jeweils nach außen. Andernfalls dreht die Mutter beim lösen nur mit...

Damit das große 5. Gang Zahnrad abgezogen werden kann muss zuerst der Sicherungsring der Sychronkupplung 5. Gang entfernt werden.
Die Sychronkupplung vom 5. Gang kann nun komplett von der Verzahnung der Welle von Hand bis zum Zahnrad für den Tachoantrieb abgezogen werden, weiter geht es eh nicht. (Es sei denn man zieht dieses Zahnrad auch noch ab...) Dabei aber bitte aufpassen, das die Sychronkupplung nicht zu weit abgezogen wird, denn sonst fallen die 3 Synchronriegel mit der Synchronfeder raus, dies muss nicht sein, lässt sich aber hinterher wieder bereinigen.

Zahnrad abziehen

Um dieses Zahnrad von der Vorgelegewelle abzuziehen benötigt man einen Abzieher, ohne ist es nicht zu schaffen. Zwischen der Sicherungsmutter und dem Zahnrad 5. Gang, und auch hinter dem Zahnrad, befindet sich jeweils eine Reibscheibe, bitte gut wegpacken, die müssen dort wieder rein!

Jetzt kann man die innere Welle der Vorgelegewelle auf der anderen Seite mit einem großen Durchschlag und Hammer aus seiner Passung von dieser Seite (Roter Pfeil) in das Gehäuse getrieben werden, damit sie auf der gegenüberliegenden Seite rausgezogen werden kann. (Habe leider kein besseres Bild zur Hand)
Wenn man die Welle entfernt hat, wird das Nadellager in der Vorgelegewelle in seine Einzelteile zerfallen, aber kein Problem, dieses Nadellager kann man vor dem wieder einsetzen der Vorgelegewelle wieder komplettieren.
Die Vorgelegewelle ist nun maximal abgesenkt, und liegt auf dem Getriebeboden. Die Hauptwelle lässt sich nun ohne Probleme entnehmen.

 

Lagerkäfig Vorgelegewelle

Nun ist man an dem Punkt angekommen, wo die Vorgelegewelle (die mit der Mutter) abgesenkt werden muss, damit man die Hauptwelle mit den ganzen Zahnrädern, und die Getriebeeingangswelle rausbekommt, dazu muss folgendes gemacht und auch beachtet werden...

Senkt man erst die hintere Seite der Vorgelegewelle ab, wird die Seite wie auf dem Bild links, warscheinlich klemmen, und man bekommt das Rollenlager schlecht bis garnicht raus, besser man nimmt zuerst das Rollenlager heraus!

Auf diesem Bild ist die Innenwelle schon entnommen (auch ich habe es verkehrt gemacht)
Als nächstes muss dieses Rollenlager raus, der äußere Lagerring und die Rollen mit dem Kunstofflagerkäfig bilden eine Einheit und sind dort nicht eingepresst, nur auf Passung eingesetzt. In manchen Fällen lässt sich das Lager mit zwei kleinen Haken rausziehen. Ich musste mit zwei langen Schraubendrehern, zwischen dem Getriebegehäuse und dem Zwischengehäuse, bis zum Lager eintauchen, nachdem ich das Zwischengehäuse vorsichtig ein paar Millimeter von den Führungshülsen abgehebelt hatte.

Das Lager wanderte so fast ganz raus, und die letzten Millimeter habe ich mit einem Haken von hinten rausgedrückt.

Innenwelle austreiben Vorgelegewelle
Dummywelle Vorgelegewelle
Demontierte Hauptwelle

Hier ist nun die aus dem Gehäuse entnommene Hauptwelle mit dem Gehäusezwischenteil zu sehen, die Kabelbinder verhindern das mir die Sychronkupplung auf beiden Seiten auseinanderfallen kann.

Vorgelegewelle Nadellager

Jetzt kann auch noch die Eingangswelle von der Getriebeinnenseite nach außen rausgedrückt werden, ich habe das mit einem kleinen Kunststoffhammer gemacht, das große Kugellager ist dort auf Passung drin, aber nicht eingepresst.

Ist die Eingangswelle aus dem Getriebegehäuse entnommen, sollte man aufpassen das das Nadellager im Innern nicht rausfällt und verloren geht, besser noch man entfernt es, und legt es beiseite.

Hier ist jetzt nur noch die Vorgelegewelle zu sehen, die Eingangswelle ist schon demontiert. Dort wo der rote Pfeil sitzt liegen in der Vorgelegewelle jetzt die einzelnen Nadeln und Distanzscheiben vom Nadellager, wie bereits weiter oben beschrieben.

Die Vorgelewelle lässt sich nun ebenfalls entnehmen, aber auf die einzelnen Nadeln aufpassen!

Getriebegehäuse

Nun ist nur noch das Schaltzahnrad für den Rückwärtsgang und der Magnet übrig. Nun kann der Magnet auf Metallabrieb kontrolliert werden, es könnte ja sein das es im Getriebe Verschleiß gegeben hat, diese Metallspäne würden nun am Magnet zu finden sein...
Das Gehäuse und alle anderen Getriebeteile können nun vor dem Wiedereinbau gereinigt werden. Auch alle Dichtflächen auf Dichtungsreste kontrollieren und entfernen, anschließend gründlich entfetten.

Gewinde nachschneiden

Bevor alles gereinigt wurde, habe ich noch alle Gewinde im Gehäuse, und bei allen Schrauben das Gewinde nachgeschnitten und von Schraubensicherungsresten befreit.

Schraubengewinde nachschneiden

Jetzt kann mit dem zusammenbau begonnen werden, natürlich erst nachdem klar ist das alle Schäden oder Probleme behoben sind. Alle Wellendichtringe und Papiergehäusedichtungen in neu parat liegen, eine Tube Flächendichtmittel (z.B. Hylomar) und Loctite Schraubensicherung bereit stehen. Natürlich kommt neues Getriebeoel rein! Ich verwende Castrol 75W-90

Danach kann dann die erste neue Papierdichtung für die Montage vorbereitet werden. Dazu bestreicht  man die Seite der Papierdichtung ganz dünn mit Hylomar oder einem anderen Flüssigdichtstoff, die zuerst auf dem Getriebegehäuse aufgelegt wird. Wartet ein paar Minuten bis der Klebstoff abgelüftet ist und legt die Papierdichtung auf die Dichtfläche vom Getriebegehäuse, und drückt es leicht an.

Jetzt bestreich man die andere Seite der Papierdichtung, und geht dabei genauso vor.
Nun kommt die vorher gut entfettete Getriebezwischenplatte mit der Hauptwelle in das Getriebegehäuse. Aber dabei sehr gut aufpassen das unsere Dummywelle nicht vom frisch zusammengebautem Nadellager runterrutscht! Damit sich nichts mehr bewegen kann schraubt man 4 Befestigungsschrauben in die Getriebezwischenplatte und zieht diese leicht fest.

Zuerst kommt die Vorgelegewelle auf die Werkbank, damit das zuvor auseinandergefallene Nadellager wieder zusammengebaut werden kann, dazu geht man wie folgt vor...

Vorgelegewelle ohne Nadellager
Distanzringe Nadellager Vorgelegewelle

bei mir waren vier von diesen Distanzscheiben 4 Stück in der Vorgelegewelle, zwei von denen werden nun eingesetzt...

Gefolgt von einer kleinen Menge Lagerfett, die man mit dem Finger rundherum gut verteilt, damit anschließend die einzelnen Nadeln gut haften bleiben...

Vorgelegewelle mit Fettfüllung

Nun kann man auch schon die Nadeln wieder in die Vorgelegewelle, eine nach der anderen wieder einbringen...

NadelnVorgelegewelle
Vorgelegewelle mit eingesetzten Nadeln

So sieht das am Ende dann aus, wenn die Nadeln alle wieder an ihrem Platz sind...

Vorgelegewelle Dummyrohr Distanzringe

Nun wird es Zeit das man eine Dummywelle vorsichtig in die Vorgelegewelle schiebt, damit unser Nadellager nicht wieder auseinanderfallen kann. Anschließend noch die letzten beiden Distanzscheiben einlegen...

Nadellager wieder zusammengebaut

Und so sieht das fertige Nadellager nun wieder aus, die Dummywelle kommt erst später wieder raus...

Dummywelle in der Vorgelegewelle

 

Als nächstes kommt die Vorgelegewelle mit der Dummywelle in das Getriebegehäuse, die wird erst mal nur lose abgelegt.

Zwischengehäuse wieder eingeklebt

Die Dummywelle wird jetzt noch auf der Gehäuserückseite durch die Bohrung gesteckt, damit ist sichergestellt das das Nadellager nicht mehr auseinanderfällt. Das Getriebegehäuse wird nun auf die offene Deckelseite gestellt, damit das Innenwelle der Vorgelegewelle eingebaut werden kann.

Dazu schiebe ich mit der glatten Seite der Innenwelle die Dummywelle langsam zu dieser Seite raus, soweit bis die Innenwelle wieder an der Getriebeinnenwand anstößt.

Bevor nun die Dummywelle auf der Rückseite durch die Bohrung gesteckt wird, muss erst mal die Eingangswelle eingebaut werden. Dadurch das die Vorgelegewelle noch auf dem Getriebeboden liegt (Pfeil), lässt sich die Eingangswelle noch gut montieren.
Es ist auch darauf zu achten das die Öffnung vom Haltering beim großen Eingangslager nach unten zeigt, und nicht die Bohrung für den Oelfluss behindert.

Eingangswelle einbauen

 

Bevor man die Innenwelle mit einem kleinen Kunststoffhammer ganz in das Getriebegehäuse treibt, muss die Innenwelle noch waagerecht ausgerichtet werden!

Vorgelegeinnenwelle ausrichten
Rollenlager Vorgelegewelle

Danach kann das Rollenlager der Vorgelelegewelle wieder vorsichtig mit einem kleinen Kunststoffhammer reingetrieben werden, die letzten mm muss man bis zum Anschlag mit einen Durchschlag erledigen, bis die Nut für den Sicherungsring zu sehen ist. Dieser wird dann eingelegt, und anschließend noch die erste Reibscheibe wieder aufgesteckt... (Pfeil)

Zahnrad 5. Gang Vorgelegewelle

Das große Zahnrad der Vorgelegewelle kann nun wieder montiert werden, ebenfall bis Anschlag der dahinterliegenden Reibscheibe, vorne ebenfalls die Reibscheibe wieder aufstecken, und dann die Sicherungsmutter aufschrauben und mit 140Nm festziehen. Damit das geht muss natürlich das Getriebe wieder wie oben beschrieben arretiert werden.

Anschließend die Sicherungsmutter mit Meißel in der Nut sichern, und die Arretierung des Getriebes wieder zurücknehmen.

Eingangswellendichtring

Bevor die Führungshülse der Eingangswelle montiert wird, wird natürlich der Wellendichtring in der Führungshülse der Eingangswelle gewechselt!

Hier ist die Hülse noch mit ihrem Flansch in der Getriebeglocke, zum montieren der Hülse ist es aber besser diese beiden Teile zu trennen, dazu den Flansch mit einem Kunststoffhammer austreiben, so lässt sich die neue Korkdichtung auch besser aufbringen...

Jetzt kann man anfangen die Schaltwelle zu montieren...

Bevor ich hier aber loslege, noch eine Liste mit den benötigten Ersatzteilen, und einigen Links die mir bei dieser Getriebeüberholung geholfen haben...

Ford Capri 2,8i Eichberg Turbo

Ford Capri 2,8i Eichberg Turbo

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